Von Frankfurt in die Welt des Jazz
1928
The World’s First Academic Jazz Programme

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Big Band Konzert

Von Frankfurt in die Welt des Jazz

Bernhard Sekles, Direktor des Konservatoriums, initiierte die ersten Jazzklassen weltweit

Die erste akademische Jazzklasse (1928)

an Dr. Hoch's Konservatorium
unter der Leitung von Mátyás Seiber

Julia Hofmann, Jazzgesang
Big Band der Musikschule Frankfurt am Main, Leitung: Ralph Schmidt
Jazz Orchestra der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Leitung: Allen Jacobson
Frankfurt-Art-Orchestra - Big Band des Dr. Hoch’s Konservatorium - Musikakademie, Leitung: Prof. Reinhard Nietert
Donnerstag, 11. November 2010, 19:00 Uhr
Frankfurt am Main: Dr. Hoch's Konservatorium, Clara Schumann Saal

Es saxt das Phon
Es jazzt die Band
Man foxt im Trott
Wird inspirant
Und über der Getriebe Lauf
Spielt Jonny auf!
(Anonym)


Programm

Moderation: Wiebke Eckstein
Idee und Konzept: Edmund Brownless

Musikschule Frankfurt am Main
Johnnies Mambo (arr. K. Klose)
Indiferencia (arr. K. Klose)
Lets Get Loud (arr. K. Klose)
Vito (kom. und arr. K. Klose)
Love the Feeling (Chuck Mangione)
Feels So good (Chuck Mangione)
Big Band der Musikschule Frankfurt am Main
Leitung: Ralph Schmidt

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Count Up (Russ Spiegel)
Gentle Piece (Kenny Wheeler) mit Julia Hofmann, Jazzgesang
The Rub (Russ Spiegel)
Volodja's Fault (Andreas Scheerer)
 
HfMDK Jazz Orchestra
Round Midnight
Nostalgica
HfMDK Posaunenensemble
Ulla in Africa
HfMDK Saxophon-Ensemble
Leitung: Allen Jacobson

Dr. Hoch’s Konservatorium - Musikakademie Frankfurt am Main
Classic Pops (Richard Strauss 1864-1949, Aaron Copland 1900-1990, arr. Manfred Honetschläger)

Dont’t Be That Way (Benny Goodman)
Backrow Politics (Gordon Goodwin)
Music (arr. Manfred Honetschläger)
Act Your Age (Gordon Goodwin)
God Bless The Child (Text und Musik von Arthur Herzog, Jr. und Billie Holiday, arr. Sammy Nestico)
Red Baron (Vince Guaraldi, arr. Tom Davis)
Gonna Fly Now (Bill Conti, Ayn Robbins und Carlo Connors, arr. Victor Lopez)
Frankfurt-Art-Orchestra
Leitung: Prof. Reinhard Nietert

Julia Hofmann
Julia Hofmann wurde als Julia Enke im April 1981 geboren. Sie sang von klein auf im Kinderchor, als Jugendliche dann im Jugend- und Erwachsenenchor. Der Entschluss Gitarre zu lernen führte sie an die Musikschule Friedberg zu Guido Duclos, bei dem sie spanische und südamerikanische Lieder und Rhythmen bis hin zur Jazzmusik kennen lernte. Mit diesem Repertoire absolvierte sie viele Auftritte, unter anderem im Hessen-Fernsehen mit ihrem Ehemann Torsten, der sie am Klavier, mit Percussion oder mit der Bassgitarre begleitet. Zusammen mit Claus Krogmann (Gitarre) bilden sie seit 2005 das Latin-Jazz-Quartett Desafinado.

Im Oktober 1999 nahm sie ihr privates Gesangstudium bei Edmund Brownless auf und im Oktober 2000 begann sie das Studium in Elementarer Musikpädagogik (Violine bei Frau Eldinnouh / Gesang bei Edmund Brownless) am Dr. Hoch’s Konservatorium - Musikakademie in Frankfurt am Main. Das Examen absolvierte sie im März 2004. Während des Studiums wurde Julia Mitarbeiterin in der Musikschule Friedberg und arbeitet seitdem dort als Lehrerin für Musikalische Früherziehung, Grundausbildung, Kindermusical, Violine und Gesang.

Vom Wintersemester 2006 bis zum Ende des Sommersemesters 2008 studierte sie Jazzgesang bei Allen Jacobson an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.

Chronologie der Jazz Erziehung (Auszug)

Timeline of jazz education
Recherchiert von Edmund Brownless für Wikipedia (Englisch)

1928: Die ersten akademischen Jazzkurse überhaupt: Bernhard Sekles initierte ein Jazzstudium an Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt. Ungeachtet des kulturpolitischen Skandals, den der Direktor des Instituts Bernhard Sekles damals auslöste, richtete er die Jazzklasse in Frankfurt unter der Leitung des ungarischen Komponisten Mátyás Seiber ein. Eine Aufnahme der Jazzband des Konservatoriums von 1931 ist im Deutschen Rundfunkarchiv zu hören. Bernhard Sekles und Mátyás Seiber wurden gemeinsam mit allen jüdischen und ausländischen Lehrkräften 1933 entlassen und die Nationalsozialisten brachen das Jazzprogramm ab.

1932: Percy Grainger, ehemaliger Kompositionsstudent an Dr. Hoch's Konservatorium (1895-1900), wurde Dekan der Fakultät für Musik an der New York University und profilierte sich in seiner Vorreiterrolle als er begann Jazzkurse anzubieten. Duke Ellington wird als Gastdozent eingeladen.

1941: Die New School of Social Research in New York war die erste Institution in den USA, die Kurse in Jazzgeschichte anbot.

1945: Lawrence Berk gründete das Schillinger House of Music in Boston. 1954 änderte er den Namen in Berklee School of Music. Das Institut verlieh 1966 die ersten Bachelordiplome. 1973 der Name wurde nochmals in Berklee College of Music geändert.

1947: Die University of North Texas war die erste Universität in den USA, die ein Diplom in Jazzstudien anbot: Schwerpunkt war “Dance Band”/ Tanzmusik.

1972: Zunächst boten nur 15 Ausbildungsstätten in den USA ein Diplom in Jazzstudien an. Bis 1982 stieg die Zahl auf 72.

1976: Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt begann erneut eine Jazzabteilung einzurichten. Die Leitung des Ausbildungsprogramms in diesem Fach lag bei Albert Mangelsdorff.

* * * * *

1928: The first academic courses in Jazz anywhere: Jazz studies started by Bernhard Sekles at the Hoch Conservatory in Frankfurt am Main, Germany. Way ahead of his time, Sekles started the jazz program although under heavy criticism throughout Germany. The jazz courses were headed by Mátyás Seiber. A recording of the jazz band from 1931 can be heard on German Radio archives. Both Sekles and Seiber were Jewish and the Nazis stopped the program in 1933.


1932: Percy Grainger, a student at the Hoch Conservatory (1895-1900), became Dean of Music at New York University, and underscored his reputation as an experimenter by putting jazz on the syllabus and inviting Duke Ellington as a guest lecturer.

1941: New School of Social Research in New York was the first school in the U.S. to offer jazz history courses.

1945: Lawrence Berk founded the Schillinger House of Music in Boston. Berk changed the name to Berklee School of Music in 1954. The school granted its first bachelor's degrees in 1966. In 1973 Berklee's name was changed to Berklee College of Music.

1947: The University of North Texas was the first university in the U.S. to offer a degree in Jazz Studies: Major in "Dance Band" or dance music degree.

1972: Only 15 U.S. institutions of higher learning offer a degree in jazz studies; by 1982 this number had increased to 72.


1976: Jazz teaching at the Hoch Conservatory in Frankfurt started again. Albert Mangelsdorff heads the program.


1928: Jazzunterricht in Deutschland: erschreckende Innovation!

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1928: In der USA liesst man über die Jazzerziehung am Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt...
Hatte Komponist Percy Grainger (ehemaliger Student am Konservatorium) zufällig diese Artikel gelesen
bevor er 1932 die erste Jazzkurse in der USA angefangen hat?



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Werbung für Mátyás Seibers Schule für Jazz-Schlagzeug (Mainz, 1929)
Melos VIII (1929)



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Mátyás Seiber und das Jazzorchester des Hoch’schen Konservatoriums in einer Rundfunkaufnahme aus dem Jahre 1931
Peter Packay (1904-1965): Oh my (für Jazzensemble)
Jazzorchester des Dr. Hoch’s Konservatorium, Frankfurt am Main, 1931
Leitung: Mátyás Seiber

Von Frankfurt in die Welt des Jazz

von Edmund Brownless

Am 11.11. 2010 fängt der Jazzkarneval in Frankfurt an!
Die Deutschen haben den Jazz immer geliebt! Die Frankfurter lieben den Jazz sehr! In den zwanziger Jahren war der Jazz immernoch neu...Radiosendungen waren auch neu.

Wenn man sich vorstellt, dass die Geschichte des Jazz kaum vor 1900 anfängt, dass die ersten Jazzkonzerte in Deutschland um 1919 stattfanden, dass die ersten Runkfunksendungen mit Jazz ca. 1925 waren, dann ist es unglaublich, dass Bernhard Sekles, Direktor des Konservatoriums, trotz heftigen Widerstands schon 1928 eine Jazzklasse an einem traditionsreichen Institut wie Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt einführen wollte.

Man sieht, dass die Amerikaner auch von dem Aufstand über Jazzunterricht in Deutschland gelesen haben. Der australische Komponist Percy Grainger kannte Bernhard Sekles von seiner Studienzeit am Konservatorium in Frankfurt: hat Grainger diesen Zeitungsartikel selbst gelesen und Inspiration von Sekles bekommen? Vier Jahre später haben die ersten Jazzkurse in den USA auch eine Beziehung mit dem Konservatorium in Frankfurt!

Jahrelang haben wir gehört, dass sie die ersten Jazzkurse Europas waren - sie sind aber weltweit die ersten akademischen Jazzkurse. In den USA sind Jazzklassen mit Diplom erst in den späten 40er Jahren durchgeführt worden.

Kathryn Smith Bowers schreibt in Jazz in Germany: „Die Tatsache, dass Jazzerziehung an einer akademischen Institution in Deutschland angefangen hat, geleitet von einem Ungar, bleibt eine der schönen Anomalien der Geschichte westlicher Musik.“

Die große Frage ist, warum Sekles Mátyás Seiber eingeladen hat, Leiter der Jazzklasse zu werden. Er war Ungar, Pianist und Cellist und vorallem ein klassischer Komponist mit Studium bei Zoltán Kodály. Man liest aber, dass in dieser Zeit kaum ein Leiter eines Jazzensembles in Deutschland die Chance hatte, Jazz „live“ in den USA zu erleben. 1927 spielte Mátyás Seiber mit einem Schiffsquartett und reiste nach Nord-, Süd- und Zentralamerika. So war er auch in New York und hatte die Gelegenheit in Jazzklubs mitzuspielen. Sekles sah in ihm einen erstklassigen Komponisten, Musiker, Lehrer - aber vor allem wusste er, dass er im Mutterland des Jazz, den Jazz richtig erlebt und mitgemacht hatte. Will man wissen wie kompetent Seiber war, dann sollte man seine Schule für Jazz-Schlagzeug von 1929 sehen...vermutlich die erste Jazzmethode überhaupt. In der Werbung: „Für diese Schule erscheint dass erste umfassende Lehrwerk zum praktischen und theoretischen Studium des kunstgerechtes Jazzspiels,...Die Behandlung des Stoffes erfaßt alle erdenklichen Formen und kann in ihrer Vollständigkeit und Systematik als unübertrefflich bezeichnet werden.“ Und Seiber war erst 23 Jahre alt!

Zwischen 1924 und 1933 wurden in Berlin, Köln und Frankfurt 634 Programme mit Jazz gesendet. Der Rundfunk in Frankfurt sendete 1929 dreizehn Konzerte mit Mátyás Seiber und seiner Jazzklasse. 1930 waren es 10 Konzerte, die auch über den Stuttgarter und Berliner Sender ausgestrahlt wurden.

Trotz des Jazzverbotes durch die Nazis in den dreißigen und vierzigen Jahren waren einige Jazzmusiker in Frankfurt ziemlich aktiv. Anscheinend hatten viele Mitglieder der Reichsmusikkammer Schwierigkeiten zwischen Jazz und Musik mit kitschigen Synkopen zu unterscheiden...so lang die Titel verdeutscht waren, war anscheinend die Gefahr gering...Carlo Bohländer schreibt in Jazz in Germany, dass man den „Saint Louis Blues“ unter dem harmlosen Namen „Sankt Ludwig Serenade“ spielte. Carlo Bohländer studierte Trompete am Konservatorium und an der Musikhochschule. Sein zehn Jahre älterer Vetter, der Saxophonist Rudi Thomsen studierte Jazz bei Mátyás Seiber.


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Mit zwei Verwandten von Berhhard Sekles
Edmund Brownless, Maria Paula Sekles (Urenkelin von Bernhard Sekles) und Gesa Schoop
beim Konzert am 11.11. 2010


www.edmundbrownless.de